Butcher's Crossing - John Williams

dtv Verlag / 10,90 € Taschenbuch / 368 S. / Erschienen 9. Dezember 2016



Klappentext:

"Es ist um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«.

In Butcher’s Crossing, einem kleinen entlegenen Städtchen in Kansas, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten: Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen – und entfesseln eine Tragödie."

Eindruck:

Dies ist mein zweiter Roman von John Williams nach "Stoner" und auch dieses Buch brilliert durch Inhalt und Sprache. 
Zentrale Themen der Geschichte sind die Sehnsucht und Hoffnung, das Freiheitsstreben und Scheitern, die Wildnis der Natur und die Wildnis im Menschen. Wie auch in "Stoner" ist der Protagonist auf der Suche nach Identität - es ist also ein Buch über Selbstfindung mit ungewissem Ausgang. Der Autor beschreibt die menschlichen Instinkte und Veränderungsprozesse, die sich in bestimmten Situationen oder durch Ereignisse vollziehen, sehr präzise und nachvollziehbar. Der Leser verfolgt, wie die Hauptfiguren eine ganze Palette von Emotionen durchleben - ohne Kitsch und immer realitätsnah. Trotzdem wird die Tragik der Schicksale der jeweiligen Personen und Gesellschaftsschichten spürbar.
Williams beschreibt die Natur im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts so bildhaft und detailgenau, dass der Leser den Eindruck hat, mitten im Geschehen zu sein und alles hautnah mitzuerleben. Das ist meiner Meinung nach die größte Kunst, vor allem in einem Buch, in dem es um solch ein spezielles Leitthema wie die Büffeljagd geht. Es entsteht eine ganz besonders einnehmende Atmosphäre und unterschwellige Spannung, die auch schon in "Stoner" - wenn auch auf andere Weise - kreiert wurde. Als Leser fiebert man auf das große Unglück hin, das unausweichlich scheint. Das Zusammenspiel und die Abhängigkeit zwischen Mensch und Natur wird in diesem Buch sehr deutlich. Darüberhinaus wird letztendlich klar, wie zerstörerisch und instabil der Mensch im Vergleich zur Natur ist.
Das schöne an Williams Werken ist, dass er durch schlichte Inhalte wie die Büffeljagd eine Geschichte kreiert, die in seinen Deutungen vielschichtig, aber nicht zu konstruiert, aufdringlich oder zu wuchtig ist. Auf jeden Fall ein Lesevergnügen!










Kommentare

Beliebte Posts